Badische Zeitung, 29.08.2025:
Ehrenamtlich für den Klimaschutz aktiv
Energie ist teuer, auch wenn die Höchstpreise zu Beginn des Ukraine-Kriegs vorerst passé sind. Wer vor seiner Strom-, Gas- oder Ölrechnung sitzt, fragt sich vermutlich schnell: Wie kann ich sparen? Informationen müssen her und ein passendes Konzept für die eigenen vier Wände. Alles Wissenswerte dazu gibt es von gewerblichen Anbietern und Beratern, aber nicht nur: Seit Frühjahr 2023 beraten die ehrenamtlichen Bürgersolarberater Peter Hubner, Thomas Jantzer, Bernhard Schwan und Manfred Schüler interessierte Bürgerinnen und Bürger zu den Themen Fotovoltaik, Stromspeicher und vielen weiteren damit in Verbindung stehenden Themen wie Wärmepumpen, E-Mobilität oder Strompreisentwicklungen. Initiiert wurde die Gruppe durch das Klimaschutzmanagement der Stadt Endingen und der Gemeinde Riegel.
Ihr Wissen ist gefragt, berichten Manfred Schüler und Bernhard Schwan im BZ-Gespräch. Bisher wurden mehr als 40 Beratungen in Anspruch genommen. Die finden grundsätzlich vor Ort statt, um die unterschiedlichsten individuellen Situationen berücksichtigen zu können. Viele Fragen konnten schon im ersten persönlichen Gespräch beantwortet werden. Häufig folgte die Erstellung eines umfassenden Konzepts. So konnten die Interessierten gut informiert und mit einer klaren Zielvorstellung, die Angebote bei den Lieferanten einholen. Auch im Nachgang noch, nachdem die Angebote der Lieferanten auf dem Tisch lagen, haben die Bürgersolarberater oft dabei unterstützt, die Angebote zu bewerten und Differenzen zwischen den Angeboten zu erläutern.
Ziel der ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe sei es, die Energiewende voranzutreiben, Unsicherheiten in der Bürgerschaft aufzuklären und Mut zu machen, sich langfristig und nachhaltig aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu befreien, betonen die Berater und Klimaschutzmanager Michael Koep. Bundesweit seien inzwischen viele hundert Bürgersolarberater aktiv. Geschult werden sie von dem Verein Metropol Solar, der seit Jahren entsprechende Online-Seminare anbietet. Laut Metropol Solar gibt es inzwischen rund 80 Beraterteams, deren Mitglieder sich unterschiedliche Schwerpunkte setzen, um gemeinsam ein breites Themenspektrum abzudecken. Wichtig ist Schwan und Schüler aber, dass das Endinger Team eigenständig, frei und unabhängig arbeitet und berät – unverbindlich und ohne wirtschaftliches Interesse. Koep begrüßt das Engagement; die Stadt unterstütze die Arbeit gerne.
Die Bürgersolarberater kommen nur, wenn sie angefordert werden. Die Beweggründe der Bürger sind grundverschieden, berichten die Berater. Da gebe es diejenigen, die ahnungslos seien, aber etwas für den Klimaschutz tun wollen und "finanziell schmerzfrei" zu Investitionen bereit seien. Andere hätten ein klar begrenztes Budget. Manchen gehe es um die Aufwertung ihrer Immobilie, andere seien grundsätzlich gut informiert und wollten nur vorliegende Angebote unabhängig geprüft haben. Nachfragen bei der Beratung führten oft noch zu technischen Änderungen, doch die Angebote seien nach ihrer Erfahrung "meist in Ordnung", sagt Bernhard Schwan. Und manche seien einfach nur verunsichert durch Medien und Falschinformationen.
Die bisherigen Beratungen fanden vor allem in Endingen und Riegel statt, daneben aber auch in Einzelfällen von Weisweil bis Eichstetten. Mal ging es darum, wie eine Solarrente quasi als kleine Zusatzeinnahme bei Rentenbeginn möglich wäre, mal darum, das Bestmögliche aus der verfügbaren Dachfläche herauszuholen. Die Bürgersolarberater bedienen sich bei ihrer Arbeit auch einschlägiger Branchensoftware und profitieren dabei auch von der Investition der Genossenschaft Bürgerenergie Kaiserstuhl (Beka), in der alle vier Mitglied sind, in solche Software.
Dass die Branche einem ständigen Wandel unterliegt, merken die Berater deutlich. Der Strompreis sei zwar wieder günstiger geworden, doch auch Photovoltaik werde immer günstiger. Das gilt auch für die Speichersysteme am Markt: Sie werden dank fallender Preise und zunehmendem Trend zum Eigenverbrauch des Solarstroms immer attraktiver und gefragter. Auch bei der Ausrichtung der Anlagen hat sich viel getan. Die Zeiten reiner Süddach-Lösungen sind vorbei, gerade bei der Ost-/West-Ausrichtung der Dachflächen schlummere noch ein "riesiges Potenzial", ist Schüler überzeugt: "Diese Flächen braucht es jetzt." Und weil die Module nur noch halb so viel kosten, aber doppelt so viel Leistung bringen wie vor zehn Jahren, sei heute viel mehr wirtschaftlich möglich.
Für die Zukunft rechnen die ehrenamtlichen Berater auch mit steigenden Anfragen von Anlagenbesitzern, deren Förderung ausläuft und die sich jetzt fragen, was sie mit ihrer Anlage tun sollen. Auch Wärmeplanung werde dank fortschreitender Technik künftig immer wichtiger. Letztlich zähle immer der Einzelfall.
"Unser Job ist getan, wenn wir das Gefühl haben, dass die Bürger alles haben, was sie für ihre Entscheidung brauchen", sagt Manfred Schüler. Ob ihre Empfehlungen letztlich umgesetzt werden, wissen sie in der Regel nicht. Gerade das aber wäre für den Klimaschutzmanager der Stadt interessant. Luft nach oben sehen die vier Berater bei ihrer Arbeitsbelastung noch – trotz fünf bis sechs Stunden durchschnittlichem Aufwand pro Beratung. Sie würden sich aber dennoch über Verstärkung von interessierten Frauen und Männern freuen, um die Energiewende weiter voranzubringen. Die grundsätzliche Aufbauarbeit sei getan, die Strukturen für die Arbeit vorhanden, betont Schüler. Und man könne im Team viel unternehmen und lernen.
Bernhard Schwan entschied sich zur ehrenamtlichen Beratungsarbeit, um seine Zeit im Ruhestand sinnvoll zu nutzen. Außerdem gebe es bei jeder Beratung andere Fragen "und jedes Mal lernt man etwas dazu". Schwan hat auch für die Beka schon mehrere Projekte geplant, unter anderem die PV-Anlage auf dem Riegeler Rathaus.
Manfred Schüler ist Unternehmer, hatte nach eigenem Bekunden "viel Glück im Leben" und will der Gesellschaft mit ehrenamtlichem Engagement "einfach etwas zurückgeben", wie so viele Menschen bei DRK, Feuerwehr, Kultur- oder Sportvereinen.
Interessierte Bürger können bei der entsprechenden Gemeindeverwaltung die Verantwortlichen, insbesondere die Klimamanager und Klimamanagerinnen, kontaktieren, betont Michael Koep. Dieser Weg sei oft hilfreich, da es unterschiedliche Formate der Beratung gibt.
Autor: Martin Wendel
Badische Zeitung, 02.06.2023:
Die Bürger Solar Beratung Kaiserstuhl legt los
Die Bürgersolarberater begleiten Interessierte auf dem Weg zur eigenen Photovoltaik-Anlage. Sie sind ein Team von engagierten und interessierten Bürgern mit verschiedenen beruflichen Hintergründen und fachlichen Kompetenzen, die die Energiewende durch einen erfolgreichen Ausbau von privaten Photovoltaik-Anlagen voranbringen wollen.
Die Initiative ist durch das Klimaschutzmanagement der Gemeinden Riegel, Endingen und Forchheim ins Leben gerufen worden und stellt einen Baustein der aktuell laufenden Photovoltaik-Kampagnen dar. „Das besondere bei den Bürgersolarberatern ist der persönliche Kontakt und dass sie zu den Leuten nach Hause kommen“, so Irina Wellige Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Riegel. Die „nachbarschaftliche“ Beratung beinhaltet die Planung einer PV-Anlage inklusive Wirtschaftlichkeitsberechnung, die auf die individuellen Wünsche der interessierten Bürger abgestimmt ist. Verschiedene Faktoren wie Speicher, Wärmepumpe und E-Mobilität werden dabei berücksichtigt. In einem persönlichen Austausch klären die Berater offene Fragen, helfen Fehler zu vermeiden und geben Tipps zur Umsetzung. Die erstellten Konzepte sind unverbindlich, ohne Gewähr und beziehen sich ausschließlich auf private PV-Anlagen für Ein-/Zweifamilienhäuser. Die Beratungen sind kostenlos und unabhängig. Die Gruppe ist gut vernetzt und wird von MetropolSolar e.V. unterstützt. Die Berater arbeiten dabei ehrenamtlich und als lernendes Netzwerk für eine gute Zukunft.
Autoren: Irina Wellige & Michael Koep